
Bifi & PRA – Unsere Geschichte mit einer stillen Diagnose
- hundeschulewilcke
- vor 6 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Manchmal verändert sich das Leben nicht mit einem Knall – sondern ganz leise.
Schleichend.
Fast unmerklich.
So war es bei uns mit PRA (Progressive Retinaatrophie).
Bifi war immer ein lebensfroher, neugieriger Hund. Sicher im Alltag, verspielt, aufmerksam, voller Vertrauen. Und dann kamen diese kleinen Momente, die man am Anfang noch wegschiebt:
Unsicherheiten im Dunkeln
Zögern an Treppen
vermehrtes Schnüffeln
vorsichtigere Bewegungen
leichtes Erschrecken bei Berührungen
Nichts Dramatisches. Nichts, was sofort „Alarm“ schreit.
Aber mein Bauchgefühl wusste: Da stimmt etwas nicht.
Die Diagnose PRA
PRA ist eine genetisch bedingte Augenerkrankung, bei der die Netzhaut (Retina) langsam abstirbt.
Das bedeutet:
zuerst Verlust der Nachtsicht
dann zunehmende Einschränkung der Orientierung
langfristig Erblindung
Es gibt keine Heilung.
Keine Therapie, die es aufhält.
Nur Zeit. Anpassung. Begleitung. Liebe.
Die Diagnose zu bekommen, war ein Schock – auch wenn man es innerlich schon gespürt hat.
Nicht, weil Bifi „krank“ ist.
Sondern weil man weiß: Das Leben wird sich verändern.

Die Phasen der Veränderung
Was viele nicht wissen: Hunde durchlaufen bei Erblindung oft mehrere emotionale und mentale Phasen:
🐾 Phase 1 – Verunsicherung
Angst, Rückzug, Unsicherheit, Überforderung, manchmal Reizbarkeit.
🐾 Phase 2 – Kompensation
Mehr Schnüffeln, mehr Hören, mehr Tasten, mehr Wahrnehmen über den Körper.
🐾 Phase 3 – Anpassung
Der Hund baut neue Strategien auf.
Orientiert sich über Gerüche, Geräusche, Routinen, Signale.
Findet neue Sicherheit.
Bifi ist genau diesen Weg gegangen.
Und ja – es war emotional.
Ja – es war anstrengend.
Ja – es gab Tränen.
Aber es gab auch etwas anderes:
✨ Vertrauen
✨ Bindung
✨ Nähe
✨ eine neue Form von Kommunikation
✨ eine tiefere Verbindung

Was wir gelernt haben
Bifi & PRA – Unsere Geschichte mit einer stillen Diagnose
Blindheit bedeutet nicht Lebensverlust.
Blindheit bedeutet Veränderung, nicht Ende.
Hunde leben nicht in Angst vor der Zukunft.
Sie leben im Jetzt.
Was sie brauchen:
klare Strukturen
feste Routinen
Sicherheit
verlässliche Menschen
ruhige Führung
verständliche Signale
Geduld
Zeit
Nicht Mitleid.
Nicht Überbehütung.
Nicht Dauerstress.
Bifi heute
Bifi ist nicht „die blinde Hündin“.
Bifi ist:
🐶 fröhlich
🐶 neugierig
🐶 lernbereit
🐶 verschmust
🐶 mutig
🐶 sensibel
🐶 stark
🐶 lebendig
Sie sieht vielleicht weniger –
aber sie fühlt mehr.
Sie hört mehr.
Sie riecht mehr.
Sie vertraut mehr.

Und ich?
Ich habe gelernt, anders zu führen.
Anders zu denken.
Anders zu begleiten.
Anders zu kommunizieren.
Nicht aus Mitleid.
Sondern aus Respekt.
Warum ich diese Geschichte teile
Weil so viele Menschen Angst haben, wenn sie das Wort „blind“ hören.
Weil Diagnosen oft schlimmer klingen als das Leben selbst.
Weil Hunde unglaublich anpassungsfähig sind.
Und weil niemand diesen Weg alleine gehen muss.
Wenn du gerade am Anfang stehst:
Du schaffst das.
Dein Hund schafft das.
Und ihr wachst daran – gemeinsam.
Bifi hat mir beigebracht:
Sehen ist nicht das Wichtigste.
Vertrauen ist es. 💛




